Holzverkleidungen restaurieren & Schalteraussparungen fräsen
An meinem Wagen störten mich massiv die milchig gewordenen Zebranoverkleidungen. Bevor ich mir bei Ebay einigermaßen gut erhaltene besorgt hätte ließ ich es auf einen Versuch ankommen und versuche das Alte zu retten, verlieren konnte ich dabei nichts:
Also, so siehts aus, milchig und matt aber ohne Risse:

Das Mittel meiner Wahl ist Hitze. Also nehme ich den Heißluftfön her, auf höchster Stufe muss man schmerzlich lange auf einen einzelnen Punkt halten bis sich was tut. Die Beschichtung platzt ab, das Zeug fliegt durch die halbe Werkstatt:

Das erwünschte, selbstständige Abschälen des Lacks bleibt aber aus. So wie es auf der Kante aussieht platzt die Beschichtung nirgendwo ab. Überall entstehen nur diese gelben Krater. Ich versuche es mit noch mehr Hitze, nehme einen kleinen Lötbrenner. Der Effekt ist erfreulich. An den Rändern schält sich die Beschichtung von selbst ab und legt das Zebrano frei. Auf der Fläche muss ich mit dem Spachtel unter die heiße Beschichtung fahren, was ebenfalls kinderleicht geht. Leider überhitzt das Holz oft, wird dunkel oder gar schwarz. Im Nachhinein erweist sich die Methode als eher schlecht, eine andere ist viel effektiver und schonender: Man erhitzt den Lack mit dem Heißluftfön bis man irgendeine Veränderung der Beschichtung sieht, zieht den Lack dann aber mit dem Stechbeitel ab. Das geht genial, beim Brett um den Schalthebel bin ich darauf aber nicht nicht gekommen und so sieht es teilweise recht verbrannt aus:

Ein erster kurzer Anschliff mit dem Dreiecksschleifer, es tut sich was:


Angefeuchtet sieht es aber noch schlecht aus.
Also kräftig geschliffen, man braucht unerwarteter Weise eine halbe Ewigkeit um das nur oberflächliche Zebranofurnier durchzuschleifen, insofern braucht man kaum Vorsicht walten lassen.
Irgendwann komme ich dann zu einem für mich zufriedenstellenden Ergebnis. Leichte Schattierungen sind noch zu sehen. Die Macke unten Links lasse ich, da ist eh die Ablagebox vor.



Zuerst einmal wird das Holz mit Leinölfirnis geölt um das kontrastreiche Farbenspiel des Zebranos herrauszubringen. Dazu nehme ich ein 1:1-Gemisch aus Leinölfirnis und Terpentinöl. Letzteres nur damit es schneller trocknet.

Da ich alle Holzteile neu lackiere kann ich mir den Farbton frei auswählen. Honigfarben, also nur geölt finde ich am schönsten. Will man den originalen Farbton wieder herstellen muss man das Holz im passenden Farbton beizen und ggf. mit getöntem Klarlack noch nachkorrigieren. Dazu gibt es auch einige Oldtimer-Seiten im Netz.
Satt auftragen:

Nach 10 Minuten abwischen und wenigstens 24 Stunden trocknen lassen:

Dann lackieren. Ich habe mit Spies und Hecker 2K-Klarlack gearbeitet. Welcher genau weiß ich nicht, ich habe den beim Lackierer meines Vertrauens gekauft nachdem ich ihm beschrieben habe was ich damit machen will, aber mit besonderem Augenmerk auf hoher Kratzfestigkeit.
Da ich keine Ahnung vom Lackieren hab (Ausrüstung ist aber OK, gescheite Druckluftanlage sowie Druckregler mit Lufttrockner und Filter sowie eine gescheite Lackierpistole sind vorhanden) habe ich Schicht um Schicht aufgetragen und auch wieder weggeschliffen, weil die immer pickelig waren. Allerdings sind es mit jeder Schicht weniger Pickel geworden, die 7. war dann ganz OK sodass ich das Teil erstmal wieder eingebaut habe um festzustellen wie mir das gefällt.

Ich fand es grundsätzlich OK, also habe ich das restliche Holz (Bei Erstserie sind das ja nur die Verkleidungen von Aschenbecher und Heizungsregler) bearbeitet. Es ging, wie oben beschrieben, mit der Lackabziehtechnik wesentlich besser. Schleifen musste ich dafür aufgrund der Rundungen von Hand, aber nach etwas Arbeit war alles lackierfertig.
Diesmal bin ich weit weniger sparsam mit dem Lack umgegangen und habe die Schichten satt und reichlich aufgetragen. Läuferbildung ist ja eh kein Problem da die Teile waagerecht liegen. Und schon war das Pickelproblem beseitigt. Also habe ich 7 Schichten aufgetragen, nach der zweiten Schicht habe ich das Mittelkonsolenbrett dabei gelegt und nochmal 5 Schichten drauf lackiert. Woran ich nicht gedacht habe: Man sollte die Schalteraussparungen von innen auskleben, sonst geht die Schichtstärke des Lacks am Rand der Löcher herunter. Ist halt optisch nicht so schön als wenn das aussieht wie mit der Rasierklinge abgeschnitten.
Endergebnis:


Später kam der Wunsch nach elektrischen Fensterhebern auf. Als mir ein günstiges Angebot für einen kompletten Nachrüstsatz in die Hände fiel, nutzte ich die Chance. Die Fensterheber sind schnell verbaut, nun mussten noch die Aussparungen in mein Holzbrett. Hier ein kleiner Abriss wie ich das gemacht habe, Bilder sind davon leider keine entstanden:
Ich habe eine Oberfräse für die Fräsarbeit benutzt. Der Radius des Fräsers sollte dem der abgerundeten Ecken der Aussparungen entsprechen. Ich meine mich zu erinnern, dass es der 8mm-Nutfräser war, der genau gepasst hat.
Ich habe mir dann eine Frässchablone gebaut. Freihand hat man keine Chance das Ganze einigermaßen exakt hin zu bekommen. Besonders bei dem Standheizungsausschnitt muss das Bedienteil exakt passen weil kein Spalt zwischen Bedienteil und Holzverkleidung ist, da geht es nur mit Schablone.
Ich habe dazu ein dünnes Holzbrett (nicht mehr als 5mm) genommen und mit einem sehr feinen Bleistift die Außenkanten eines vorhandenen Schalterausschnitts darauf aufgebracht (Holzverkleidung aufgelegt und durch"gepaust"). Dann habe ich die Oberfräse auf dem Holzbrett aufgesetzt, den Fräser (Maschine ausgeschaltet!) auf das Brett abgelassen und die Oberfräse exakt so platziert, dass der Fräser den Bleistiftstrich an einer Ecke der Schalteraussparung so eben weg nehmen würde. Wenn die Fräse exakt ausgerichtet ist, den Umriss der Gleitplatte der Oberfräse ebenfalls mit einem sehr spritzen Bleistift auf das Holzbrett übertragen. Das Ganze an den anderen drei Ecken wiederholen. Das Ergebnis sind vier große Kreise auf der Holzplatte die den maximalen Bewegungsradius der Oberfräse markieren. Nun habe ich vier exakt gerade Holzleisten (unbedingt kontrollieren! Am Besten unter sehr leichtem Druck über ein auf den Tisch aufgelegtes Schleifpapier ziehen bis es plan ist) genommen. Diese habe ich mit einigen feinen Drahtstiften so mit der Holzplatte vernagelt, dass sie jeweils zwei der großen Bleistiftkreise tangieren. Nun hatte ich ein absolut exaktes Führungsrechteck für die Oberfräse. Als erste Kontrolle habe ich nun den Fräser aufgesetzt, und die Aussparung in das Holzbrett der Schablone fräst. So hatte ich direkt die Kontrolle dass der Ausschnitt passt. Die Aussparung hatte exakt die gleichen Ausmaße wie die gewünschten Schalteraussparungen.
Die Schablone musste ich nun wegen an der richtigen Stelle der Holzverkleidung platzieren. Je nach Position des Schalters ist das entweder die Vorderseite oder die Rückseite der Holzverkleidung. Eventuell sind dort Kunststoffhaken aufgetackert, die kann man aber einfach abziehen. Am Besten die exakte Position der Aussparung mit einem dünnen Bleistift auf die Holzverkleidung auftragen und das Loch in der Schablone exakt daran ausrichten. Das Ganze dann irgendwie miteinander fixieren. Ich habe Maschinenbau-Senkkopfschrauben durch die Holzverkleidung gesteckt, und von der anderen Seite mit großen Unterlegscheiben und Muttern die Holzverkleidung mit der Schablone verklemmt, da gibt es aber sicher auch andere Möglichkeiten.
Ausreißen tut bei der hohen Fräserdrehzahl nichts. Die Fräskanten waren bei meinem durchaus schon gut gebrauchten Fräser absolut exakt. Nur schön langsam arbeiten damit der Lack und das Holz an den Fräskanten nicht überhitzt wird.
- Bilder des Ergebnisses folgen -