OK, vorab: Dieser Text wurde geschrieben bevor ich wusste was für einen Scheiß ich eigentlich mache. Diese Felgen passen nämlich gar nicht auf den w124. Vom Lochkreis her schon, aber wie ich erst später durchblickt habe sind die Felgen aus dem Zubehör, und auch erst später habe ich erfahren dass die ET30 (die dick und deutlich auf den Felgen steht) viel zu gering ist für die w124er. Außerdem passen auch die Original-Radschrauben nicht für diese Felgen. Festgestellt habe ich das alles erst als ich die Reifen aufgezogen hatte und versucht habe die Felgen zu montieren. Bis dahin war ich der Meinung dass das Original-Gullideckel seien. Ich könnte mir in den Arsch beißen, habe ich doch deutlich über 100€ in die ganze Aktion gesteckt. Damit das Ganze nicht völlig unnütz war stelle ich diesen Bericht trotzdem online. Vielleicht nützt es ja wem der seine Felgen auch mal aufarbeiten möchte. Ich finde übrigens dass dieser rauhe Look (unten erwähnt) mit aufgezogenen Reifen sehr gut ausschaut, würde ich wohl wahrscheinlich wieder so machen.
2002, kurz nachdem ich meine Führerscheinprüfung bestand und somit zum Kapitän des Sternenkreuzers wurde, bekam ich vom Vater eines Freundes einen Satz heruntergekommener Gullideckel-Felgen geschenkt. Soweit ich mich erinnere sind die mal auf einem 200D gelaufen und lagen dann jahrelang im Keller. Ich habe die Dinger erstmal mitgenommen, so nach dem Jäger und Sammler Prinzip halt.

Nachdem ich entdeckte dass die Felgen richtig angefressen waren und auch mit scharfen Reinigungsmitteln nicht mehr schön zu bekommen waren verschwanden die erstmal in der hintersten Ecke des zum Lagerraum umfunktionierten Hundezwingers.
Vor einiger Zeit kaufte ich mir dann - wieder nach dem Jäger und Sammler Prinzip - eine Sandstrahlpistole, einfach weil im Hornbach in Münster gerade herrenlos eine schicke Pistole von Metabo herrenlos herumstand. Sowas will man natürlich ausprobieren, als erstes Versuchsobjekt boten sich die Felgen ja geradezu an. Damit man das Strahlmittel wiederverwenden kann und nebenbei auch nicht alles zusaut braucht man eine Sandstrahlkabine aus der das Strahlmittel beim Strahlen nicht heraus kann. Da man ja ungeduldig ist wird dann auch nicht langwierig gezimmert und geheimwerkert wie das eigentlich sinnvoll wäre, sondern es wird improvisiert was die Garage her gibt. In diesem Fall wurde eine alte Kartoffelkiste Opfer meiner Ungeduld. Das ist eine viereckige, etwa 1,50m hohe Kiste in die man oben die Kartoffeln hereinwirft. Der Boden der Kiste ist in etwa 30cm Höhe angebracht und ist schräg. An der tiefsten Stelle reicht dieser Boden durch einen horizontalen Schlitz in der Front sodass die Kartoffeln dort herausgenommen werden können und immer Neue nachrutschen. Die Kiste habe ich dann flugs mit einer alten Plane ausgekleidet und oben eine Glasscheibe drauf gemacht dass man sieht was man macht. An der Vorderseite habe ich die Holzwand herausgenommen und eine mit Schlitzen versehene Plane davor gespannt.

Damit bekommt man die Felgen dann wunderbar sauber und erhält eine gleichmäßig rauhe Oberfläche. Das Strahlen dauert etwa 20 Minuten pro Felge und man verbraucht etwa 5l Strahlsand für 2 Felgen bis er unbrauchbar fein geworden ist und man neuen Strahlsand nehmen muss. Ich empfehle an dieser Stelle schwarzes Universalstrahlmittel mit einer Körnung von 0,25-1,0mm, das gibs bei Ebay oder beim örtlichen Handwerksbedarfshandel für etwa 10€ pro 25kg (der Postbote freut sich). Damit strahlt man dann die Felgen. Der Original-Lack hat eine schwarze Grundierung, wenn die weg ist ist man auf dem Alu. Wenn alles gut gelaufen ist sehen die Felgen danach so aus:

Wie man sieht ist die Oberfläche sehr rauh. Ist ja auch nicht anders zu erwarten wenn man mit Strahlschlacke auf armes weiches Aluminium einprügelt.
Als nächstes kommt dann der schwierige Teil: Die Lackierung. Ich besitze zwar eine Lackierpistole und einen tauglichen Kompressor mit Ölabscheider, bei den geringen Farbmengen die ich für 4 Felgen benötige benutze ich aber lieber Sprühdosen. Vom Lackieren habe ich nicht besonders viel Ahnung, insofern sollte man die Weisheiten die ich hier so von mir gebe mit Vorsicht genießen.
Um die rauhe Oberfläche wieder glatt werden zu lassen trage ich eine Schicht Spritzspachtel auf. Dieser füllt die "Täler" der schroffen Oberfläche etwas auf was die Oberfläche orangenhautähnlich macht. Das gefällt mir persönlich sehr gut, wer das nicht mag trägt eine weitere Schicht auf, dann ist die Oberfläche ziemlich glatt. Ich habe keine Ahnung ob man als erstes irgendeine Art von Alu-Grundierung auftragen sollte, ich denke mir dass die schroffe Oberfläche schon einen idealen Haftgrund für den Spritzspachtel bietet. Ich habe die Felgen nach Auftragen des Spritzspachtels nochmals gestrahlt weil der im ersten Versuch verwendete 5€ Klarlack aus dem Hagebau auf dem 3€-Felgensilber aus dem Praktiker Blasen geworfen hat. Ich hatte zwei der Felgen mit 5€-Spritzspachtel aus dem Praktiker grundiert, die anderen beiden mit dem sauteuren Spritzspachtel aus der Produktreihe "Professional ColorMatic" von Motip Dupli für 14€ pro Dose behandelt. Es sei erwähnt dass die billige Grundierung nur vom Strahlgut angehaucht werden musste um völlig zu verschwinden, der teure Spritspachtel hingegen kräftig Widerstand geleistet hat und sich erst nach 10 Durchgängen völlig löste. Überzeugt von dieser Erfahrung benutze ich für den Rest der Lackierung nach Möglichkeit nur Produkte aus dieser Reihe. Da ich aber nur Spritzspachtel und Klarlack von denen bekommen konnte habe ich das Felgensilber von Presto genommen, ebenfalls eine Marke von Motip Dupli.
Ich habe natürlich wieder hoffnungslos zu viel gekauft. Vom Spritzspachtel habe ich etwas weniger als eine Dose gebraucht, wer allerdings eine glatte Oberfläche möchte benötigt schon zwei Dosen für vier Felgen. Vom Felgensilber reicht eine Dose locker für alle vier Felgen, vom Klarlack hat eine Dose für genau 4 Felgen mit jeweils 4 Schichten ausgereicht. Der Spritzspachtel kostet pro Dose 14€, das Felgensilber etwa 8 € und der Klarlack ebenfalls pro Dose knapp 12€. Die Colormatic-Dosen verfügen über einen Flachstrahl-Sprühkopf was sehr hilfreich ist und für eine sehr gleichmäßige Farbverteilung sorgt. Die Düse kann man auch drehen um den Flachstrahl horizontal zu drehen:

Dazu habe ich für 4€ noch einen Pistolengriff gekauft den man auf die Dose steckt und der das Dosieren und punktgenaue Starten des Sprühens sehr vereinfacht:


Eigentlich sind 4€ für so ein bisschen Plastik ganz schön viel. Aber funktionieren tut es gut.
Jetzt geht es ans lackieren. Die Vorbereitung ist das wichtigste, sonst fängt man wie der unbelehrbare Tobulus wieder von vorne an. Es sollte mindestens 20°C warm sein. Man kann auch bei kälteren Temperaturen lackieren, jedoch sollte man dann die Felgen und die Dosen vorwärmen. Letzteres ist generell sehr sinnvoll da man dadurch den Druck des Treibgases in der Dose erhöht. Dadurch wird der Sprühstrahl stärker und das Sprühbild ist deutlich besser weil die Dose nicht anfängt durch niedrigen Druck zu rotzen. Ich muss dazu sagen dass diese ColorMatic-Dosen damit scheinbar sowieso weniger Probleme haben. Als ich den Klarlack versprüht habe hat die Dose nur ganz zum Schluss einmal ganz kurz gerotzt und war dann sofort komplett leer. Optimal also, und deutlich besser als dieses Herumgerotze von den Billigdosen sobald sie halb leer sind. Ich stelle die Dosen vor der Benutzung eine Viertelstunde lang direkt vor den Heizlüfter, dann haben die etwa 50°C was auch die auf den meisten Dosen angegebene Obergrenze darstellt. Vorsicht: Wenn Ihr meint eine halbe Stunde vor dem 2kW-Gebläse wäre schon OK habt ihr eventuell hinterher eine geplatzte Dose. Der Raum in dem Ihr lackiert sollte staubfrei oder zumindest staubarm sein. Ich habe in der Garage lackiert. Dazu habe ich das Garagentor 2/3 geschlossen, die Decke abgefegt und dann Wände und Boden bewässert. Kurz vor der Lackierung wird die Felge nochmal mit Druckluft entstaubt. So hatte ich keinen einzigen sichtbaren Dreckeinschluss. Die Oberfläche muss Fettfrei sein. Also nicht drauf fassen, und vor der ersten Lackierung hübsch mit Bremsenreiniger oder Verdünnung abreiben. Das ist auch sinnvoll um den Strahlstaub aus den Poren zu schwemmen, mit der Ausblaspistole kriegt man das nicht alles raus.
Lackiert habe ich folgendermaßen: Erstmal in zwei Schritten senkrecht in die Vertiefungen am Rand sprühen. Ganz wichtig: In einem Zug durch sprühen und nicht mitten auf der Felge anfangen oder aufhören zu sprühen. Sprühdosen rotzen kurz wenn man anfängt und aufhört zu drücken, wenn man dann gerade direkt über dem Werkstück ist hat man schöne Lackpunkte auf der ansonsten gleichmäßigen Oberfläche. Danach wird parallel Bahn für Bahn im Abstand von ca. 20-25cm aufgetragen. Dann geht man 90° weiter um die Felge und lackiert wieder Bahn für Bahn parallel. Die Sprühdose wird im 45°-Winkel zur Felgenoberfläche und etwa 20cm von ihr entfernt gehalten, man fängt nah am Körper an und lackiert dann parallel zur ersten Bahn Bahn für Bahn hinzu. Eine Lackschicht bedeutet dass man lackiert, dann 90° um die Felge geht und wieder lackiert sodass die Bahnen 90° übereinander liegen. Beim Spritzspachtel habe ich 3 Schichten lackiert, beim Felgensilber 2 Schichten und beim Klarlack 4 Schichten. Ich habe die Lackschichten Nass-in-Nass lackiert. Dabei lässt man die vorherige Lackschicht nur ein wenig anziehen bevor man die nächste Lackschicht aufträgt. Das bedeutet beim Spritzspachtel etwa 10 Minuten Wartezeit zwischen den Lackschichten, beim Felgensilber und beim Klarlack etwa 3 Minuten zwischen den Lackschichten. Wenn man Nass-in-Nass lackiert ist die Gefahr von Läufern besonders groß, da die Felgen aber liegen und sehr flächig sind hat das bei mir sehr gut und ohne Läufer funktioniert. Zwischen dem Auftragen der verschiedenen Lackarten habe ich die Lackierung jeweils etwa 1-2 Tage trocknen lassen. Auf den folgenden Bildern habe ich eingezeichnet wie ich lackiert habe, in diesem Fall zeige ich zwei Schichten. Der rote Fleck zeigt wo ich stehe:




Dann eben 3 bzw. beim Spritzspachtel 10 Minuten warten bis die nächste Schicht drauf kommt:

Also als erstes den Spritzspachtel auftragen. In meinem Fall halt 3 Schichten, wer die Oberfläche glatt haben will 6 Schichten oder mehr. Die würde ich dann aber nicht komplett Nass-in-Nass auftragen, da würde ich dann immer 3 Schichten hintereinander auftragen und dazwischen 12 Stunden trocknen lassen. Im Bild sieht es so aus als wäre die Schichtdicke ungleichmäßig weil sie teilweise matt ist. Tatsächlich ist die Oberfläche an der Stelle schon leicht angetrocknet, das geschieht sehr schnell:

Und nach einem Tag Trocknungszeit:

Darauf kommt dann das Felgensilber. Sprühtechnik wieder genauso, nur eben in 2 Schichten statt 4. Wobei man das auch während der Arbeit entscheiden muss. Schön schauen wann es deckt, aber nicht zu dick machen, dann wird es aus irgend einem Grund hässlich...

Nun kommt der Klarlack drauf. Ich bin der Meinung dass das die Komponente ist an der man bei Felgen am wenigsten sparen sollte. Der wird durch den Bremsstaub und den darauf folgenden Felgenreiniger sehr stark belastet. Ich bin mir auch alles andere als sicher dass so ein Einkomponentenlack aus der Dose generell überhaupt in der Lage ist das auszuhalten. Ich lasse es halt einfach mal drauf an kommen. Die Belastung ist beim 200D ja nicht soo groß weil die Kiste selten mit mehr als 140 auf der Autobahn gefahren wird und Vollbremsungen vermieden werden.
Also wie gehabt, Nass-in-Nass, 4 Schichten. Dose vorher schön warm machen. Abstände zwischen den Schichten nur 2-3 Minuten.

Schaut gut aus wie ich finde. Jetzt fehlen nur noch Nabendeckel und Radschrauben, dann können die Dinger montiert werden.